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Zwei
Reisende und acht Brote
von Schwester Natascha

Zwei Männer gingen
gemeinsam auf Reisen. Als sie hungrig wurden, ließen sie sich irgendwo
zum Essen nieder. Der eine hatte fünf Brotfladen bei sich, der andere
drei. Sie legten die Brote auf das Esstuch. Ein Wanderer kam vorbei und
grüßte sie. Sie erwiderten seinen Gruß und luden ihn ein, sich zu ihnen
zu setzen und ihr Gast zu sein.
Er nahm bei ihnen Platz und sagte: „Habt Dank!
Ich bin sehr hungrig. Geld habe ich zwar bei mir, doch nirgendwo gab es
Brot zu kaufen."
Sie teilten das Brot gleichmäßig unter sich auf
und aßen. Als der Mann gesättigt war, legte er acht Goldstücke auf das
Tuch und sprach: „Ich danke euch noch einmal für eure Gastfreundschaft.
Ich wollte Brot kaufen, gleich für welchen Preis. Nun habe ich bei euch
gegessen und will euch das Geld geben."
Mit diesen Worten erhob er sich und ging fort.
Nun war es aber so, dass die beiden Reisenden arme Leute waren. Als sie
das viele Geld sahen, gerieten sie mit einem Male in Streit.
Der, der fünf Brote mitgebracht hatte, sagte:
„Fünf Goldstücke gehören mir und drei dir!" Der andere, dem drei der
Brote gehört hatten, protestierte: „Nein, so geht das aber nicht! Der
Mann hat das Brot nicht gekauft. Er hat uns das Geld aus Dankbarkeit
geschenkt. Darum muss es gleichmäßig verteilt werden."
Kurzum: sie konnten sich nicht einig werden. Da
kam Imam Ali (ع) des Weges. Sie baten ihn, zwischen ihnen Recht zu
sprechen. Imam Ali (ع) sagte dem, dem drei Brote gehört hatten: „Gib
nach, sei einverstanden. Du hast drei Brote gehabt, sei nun mit drei
Goldstücken zufrieden!"
Der Mann erwiderte: „Nein, ich will
Gerechtigkeit! Was Recht und Gerechtigkeit sagen, werde ich
akzeptieren." Imam Ali (ع) sagte freundlich: „Glaube es mir. Drei
Goldstücke und die Zufriedenheit deines Reisebegleiters sind für dich
vorteilhafter. Willige ein, sei klug!"
Der Mann bestand aber auf seine Forderung.
„Nein, ich will Recht und Gerechtigkeit, andernfalls werde ich mich
nicht zufrieden geben." Daraufhin sprach Imam Ali (ع): „Gut, wenn das so
ist, so wisse, dass dir nur ein einziges Goldstück zusteht."
Als der Mann dagegen protestieren wollte, fügte
Imam Ali (ع) hinzu: „Ich habe dir geraten, dich mit drei Goldstücken
abzufinden. Du aber wolltest Recht und Gerechtigkeit. Gut so! Dieses
eine Goldstück steht dir von Rechts wegen zu - nicht mehr!"
„Aber wieso denn das?", begehrte der Reisende
auf.
„Lass' es dir vorrechnen: sieh', dein Kamerad
hatte fünf Brote mitgebracht und du drei. Zusammen sind es acht Brote.
Wenn wir diese acht Brote mit drei multiplizieren, erhalten wir
vierundzwanzig Stücke Brot. Ihr drei Personen habt zusammen
vierundzwanzig Stücke Brot gegessen. Jeder von euch acht. Der, dem fünf
Brote gehörten, hat acht Stücke gegessen. Sieben Teile seines Brotes aß
der Gast.
Du aber, der du nur drei Brote besaßest, hast
ebenfalls acht Teile gegessen und somit nur einen Teil dem Gast
abgegeben. Wenn du Brot- und Geldanteile gerecht berechnest, wirst du
selbst feststellen, dass dir nur ein einziges Goldstück zusteht, deinem
Reisebegleiter aber sieben. Nimm dir deine Münze und sei zufrieden, das
dein Wunsch nach Recht und Gerechtigkeit entsprochen wurde."
Der Mann antwortete:
„O Ali (ع), wenngleich ich nun schlechter
abschneide, als ich gehofft hatte, so kann ich es mir erstens selbst
zuschreiben, und zweitens will ich mich gern mit Recht und Gerechtigkeit
begnügen."
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